Vorweihnachtlicher Winterausflug auf den Spuren der Vulkane
Entdecken Sie das römische Erbe in der vulkanisch geprägten Osteifel! Hier gibt es auch im Winter viel zu entdecken. Unser Ausflugstipp führt Sie zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten des Vulkanparks. Besichtigen Sie außerdem das eindrucksvolle Kloster Maria Laach und besuchen Sie den Weihnachtsmarkt auf Schloss Burgbrohl!
Das sollten Sie sehen:
- Römische Grabhügel und Nischengrab in Nickenich sowie Ochtendung
- Vulkanpark-Infozentrum mit Rauscherpark in Plaidt (Achtung: Winterpause 15.12.2025 bis 02.02.2026)
- Laacher See und Kloster Maria Laach
- Weihnachtsmarkt im Barockschloss Burgbrohl (2., 3. und 4. Adventswochenende)
- Karmelenberg mit Marienkapelle und Baumallee
→ Sie können diese Tour sowohl in Burgbrohl als auch in Ochtendung starten. In unserem Tourentipp beginnen wir in Ochtendung.
Zur Einstimmung: Vulkanismus – Fluch und Segen
Wer an Römer und Vulkane denkt, vor dessen innerem Auge erscheinen vor allem Bilder aus Pompeji und Herculaneum. Die Bevölkerungen der beiden antiken Städte wurden durch einen großen Ausbruch des Vesuvs ausgelöscht und die Gebäude mitsamt ihrer Ausstattung unter einer dicken Ascheschicht konserviert. Vulkane können einen furchtbaren Tod bringen! Aber sie sorgen auch für Wohlstand durch wertvolle Rohstoffe und fruchtbare Ackerböden.

Die Anfänge des Vulkanismus in der Osteifel reichen mehr als eine halbe Million Jahre zurück. Rund um den Laacher See gab es einst rund 100 Vulkane! Doch der letzte Ausbruch lag schon fast 11.000 Jahre zurück, als die Römer das Gebiet eroberten und die dort ansässigen Kelten romanisierten. Der auch heute noch aktive Laacher See-Vulkan brachte vor ca. 12.900 Jahren die gewaltigste Vulkaneruption der jüngeren Erdgeschichte in Mitteleuropa. Asche und Bims wurden mehr als 30 km hoch in die Stratosphäre geschleudert. Dann trat Ruhe ein in das Vulkangebiet der Osteifel, die bis heute anhält. Mit einem erneuten Ausbruch des Laacher See-Vulkans ist zum Glück auch nicht so schnell zu rechnen.
Menschen in der römischen Osteifel
Nutznießer der reichen Hinterlassenschaften der Vulkane waren und sind die Menschen, die rund um sie leben. Das war schon in römischer Zeit so. Zwei antike Grabhügel und ein Nischengrab erzählen uns von ihrem Wohlstand und auch von Leid.
Zwei antike Friedhöfe in Ochtendung und Nickenich zeugen von einer reichen keltischen Oberschicht. Sie wurden zwar von den Eroberern aus dem fernen Rom „romanisiert“ und schätzten offenbar den römischen Lebensstil. Doch sie blieben auch alten Sitten und Gebräuchen treu. Die Verstorbenen lebten vermutlich in Gutshöfen ganz in der Nähe der Grabstätten, erzielten reiche Einkommen mit ihrer Landwirtschaft und betrieben möglicherweise auch Steinbrüche. Je ein Grabhügel aus heimischem Tuffstein dominiert die beiden Friedhöfe. Sie wurden, wie auch das Nischengrab, in jüngerer Zeit rekonstruiert.
Was der Grabhügel von Ochtendung erzählt
- gut erreichbar über die A61 oder A48
- Adresse: Am Römerhügel, 56299 Ochtendung

Der rekonstruierte römische Grabhügel von Ochtendung besitzt zwar keine Inschrift, aber wir erfahren dank moderner Untersuchungsmethoden so einiges über die Verstorbenen, für die er zwischen 100 und 150 n. Chr. erbaut worden war: Fast in der Mitte des Grabhügels fand eine Frau mit einem Säugling oder ungeborenen Kind in einer Aschekiste aus Tuffstein ihre letzte Ruhestätte. Starben beide im Kindbett? Gleich daneben befand sich ein kleines Brandgrab mit Urne, das von einer Kiste aus Schieferplatten geschützt wurde. Die Überreste verraten, das es sich um ein Baby im Alter von circa 9 Monaten handelte. Traurige Zeugnisse einer Familientragödie.
Viele Jahre später, als der Grabbau schon verfallen war, fanden weitere Bestattungen statt: Fünf Gräber drängten sich förmlich an den Mauersockel. Diesmal aber waren es Körperbestattungen. Der letzte Tote fand zwischen 400 und 450 in einem Tuffsteinsarkophag seine letzte Ruhestätte. Er lebte also in der Endphase des Weströmischen Reiches, das 476 unterging, als Odoaker den letzten weströmischen Kaiser Romulus absetzte. Zu seinen Grabbeigaben gehörten zwei kostbare Glasgefäße und ein Trinkbecher aus feinem Ton, der damals bereits aus der Mode gekommen war. Er trug die Aufschrift „SITIO“ (= ich habe Durst). Vielleicht war es ein Erbstück?
Im Vulkanpark-Infozentrum mehr über Vulkanismus erfahren
- von Ochtendung aus über die K63, ca. 6 km
- Adresse: Rauschermühle 6, 56637 Plaidt
Achtung: Das Vulkanpark-Infozentrum hat vom 15.12.2025 bis zum 02.02.2026 Winterpause.

Wenn Sie mehr über den Vulkanismus in der Osteifel erfahren wollen, dann sollten Sie unbedingt das Vulkanpark-Infozentrum in der Rauschermühle in Plaidt besuchen und gleich auch noch in den Rauscherpark gehen. Dort arbeitet sich die Nette seit über 200.000 Jahren durch einen gewaltigen Lavastrom. Über riesige Basaltblöcke ergießt sich der Fluss in kleinen Kaskaden, und wenn Sie genau hinsehen, können Sie sogar noch römische Abbauspuren in den Gesteinsformationen entdecken.
- Ausstellungsbereich „Vulkanologie“: die heiße Entstehungsgeschichte der Osteifel
- Ausstellungsbereich „Archäologie“: Abbaugeschichte von Basalt und Tuffstein von der Römerzeit über das Mittelalter bis in die Neuzeit
Romanisierte Kelten: Grabhügel und Nischengrab in Nickenich
- von Plaidt aus über die B256, ca. 10 km
- Adresse: Am Tumulus, 56645 Nickenich (Zufahrt über Laacherstraße)
Grabhügel waren bereits in vorrömischer Zeit als Begräbnisstätten üblich und sind vielerorts noch heute zu finden. Aber dieser hier ist ungewöhnlich: Man konnte keine Grabkammer finden. Leergräber errichteten die Römer zum Beispiel als Andenken an Menschen, die weitab der Heimat verstorben waren. Ihnen war es sehr wichtig, das Andenken an ihre Verstorbenen zu wahren und ihnen ein möglichst eindrucksvolles Denkmal zu setzen. Vielleicht war das auch hier der Fall?

Der rekonstruierte Grabhügel wird von einer Mauer aus heimischem Tuffstein umfasst und erinnert laut lateinischer Inschrift an Contuinda und ihren Sohn Silvanus Ategnisa. Die Namen sind weitgehend keltischen Ursprungs und belegen, dass die Kelten zwar die römische Kultur angenommen hatten, aber auch ihren angestammten Wurzeln treu blieben. Nur der Sohn hatte schon einen römischen Vornamen. Hier ist die Inschrift:
Contuinda Esucconis f(iliae) / Silvano Ategnisse f(ilio) h(eredes) ex tes(tamento) f(ecerunt)
Der Contuinda, der Tochter des Esucco, [und] dem Silvanus Ategnisa, ihrem Sohn, [haben] die Erben aufgrund testamentarischer Bestimmung [dieses] Grabmal errichtet.


Ein solches selbstbewusstes Vermischen von keltischer und römischer Kultur verraten auch die vier Figuren auf dem Nischengrab, das nahe am Grabhügel errichtet wurde. Beide Männerfiguren rechts und links sind mit Toga bzw. Mantel bekleidet und halten jeweils in der linken Hand die römische Bürgerrechtsrolle. In der Mitte ist eine Frau mit Kind zu sehen. Die Frau trägt über dem einheimischen Kleid einen römischen Mantel. Die Frisur und der Schmuck sind keltisch geprägt. Das Kind ist in Tunika und Mantel gekleidet. Das Baumaterial für das Nischengrab – körniger, gelblich weißer Kalkstein – stammte wohl von der Obermosel und musste einen entsprechend weiten Transportweg nehmen. Die gesamte Konzeption lässt vermuten, dass es sich bei den Dargestellten um höhergestellte Personen handelte. Möglicherweise stellen die Figuren von Mutter und Kind Contuinda und ihren Sohn Silvanus Ategnisa dar, die wir aus der Inschrift kennen.
Das Nischengrab von Nickenich gilt als eines der wichtigsten Zeugnisse für die herrschenden Kunstströmungen am Mittelrhein um die Mitte des 1. Jh.n.Chr. Auch der Grabhügel wird auf diese Zeit datiert. Das Nischengrab ist eine Kopie, das Original befindet sich Rheinischen Landesmuseum Bonn.
Deutschland hat einen aktiven Vulkan!
- von Nickenich aus erreichbar über die über L116 und L113, ca. 7 km
- Adresse Abtei: Am Laacher See, 56653 Maria Laach

Auch wenn er aktuell keine Lava spuckt, ist der Laacher See-Vulkan auch heute noch aktiv! Am Ostufer des Sees, der den erkalteten Vulkankrater füllt, sehen Sie Kohlendioxid-Austritte. Diese lassen drauf schließen, dass es im Untergrund noch eine aktive Magmakammer gibt. Irgendwann wird mit einem neuen Ausbruch zu rechnen sein, allerdings wohl erst in ferner Zukunft.

Ein beliebtes Ziel am Laacher See ist das Benediktinerkloster Maria Laach. Georg Dehio bezeichnet sie in seinem Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler als „eine der vollkommensten Äußerungen romanischer Baukunst in Deutschland, trotz langer Bauzeit von großartig einheitlicher Wirkung“. Der Baubeginn erfolgte 1093, unmittelbar nach der Klostergründung. Zur Klosteranlage zählen mehrere Klosterbetriebe: eine eigene Gärtnerei, Werkstätten, eine Buchhandlung und ein Laden für traditionelles Kunsthandwerk. Außerdem gehören ein Bootsverleih wie auch ein Hotel mit Gastronomie zum Anwesen.
Im Advent: Weihnachtszauber auf Schloss Burgbrohl
- von der Benediktinerabtei Maria Laach aus über die L114, ca. 8 km
- Adresse: Auf der Burg 1, 56659 Burgbrohl
Am 2., 3. und 4. Adventswochenende verwandelt sich das barocke Schloss Burgbrohl in eine festlich leuchtende Weihnachtswelt. Rund um das Schloss und im romantischen Schlosspark wartet ein stimmungsvoller Weihnachtsmarkt auf Sie. Natürlich gibt es heißen Glühwein und diverse Leckereien.


Karmelenberg zwischen Ochtendung und Bassenheim
- von der Benediktinerabtei Maria Laach aus über die A61 und L117 nach Bassenheim, ca. 22 km
- Adresse: Parkplatz an der K95 (ab Ortsmitte Bassenheim ausgeschildert)
Alternative zum Weihnachtsmarkt auf Schloss Burgbrohl:
Der 372 m hohe Karmelenberg ist ein Schlackekegel-Vulkan und war vor rund 200.000 Jahren aktiv. Er gehörte zur Karmelenberg-Vulkangruppe mit insgesamt zehn Ausbruchszentren und drei Lavaströmen. Zu erkennen sind heute nur noch der Kamelenberg-Hauptgipfel und der Rest des Schweinskopfs.

Der Name „Karmelenberg“ lässt sich vom Berg Karmel im Heiligen Land ableiten. Dort befand sich seit dem 12. Jahrhundert das Mutterkloster des Karmeliterordens, der sich vornehmlich der Verbreitung der Marienverehrung widmete. 1662 ließen der Reichsfreiherr Johann Lothar Waldbott von Bassenheim und seine Gemahlin Anna Magdalena Gräfin von Metternich eine barocke Marienkapelle auf dem Karmelenberg errichten. Laut Aufzeichnungen der Gräfin wurde für die Kapelle Tuffstein von einem römischen Grabmal verwendet. Vielleicht aus dem nahen Ochtendung?
Von Bassenheim aus führt ein alter Weg hoch zur Kapelle und verläuft durch die älteste Baumallee Deutschlands. Auch sie geht auf die Erbauungszeit der Kapelle zurück. Bereits 1939 wurde sie zum Naturdenkmal erklärt.
- Pfarrkirche St. Martin mit dem „Bassenheimer Reiter“: eine der bedeutendsten Martinsdarstellungen der Stauferzeit, um 1240 entstanden; er wird dem Naumburger Meister zugeschrieben
- Walpotplatz mit Fachwerkhäusern, Rentamt und Rathaus
- Schlosspark
Nach dem Besuch des Karmelenbergs erreichen Sie schnell wieder die A61 und A48.
Anreise und Einkehrtipps
Die Region des Vulkanparks Osteifel erreichen Sie bequem mit dem Auto oder Wohnmobil über die A 61 aus Richtung Köln und über die A 48 aus Richtung Trier und Koblenz.
- Schloss Burgbrohl, Burgbrohl
- Vulkan Brauerei, Mendig
- Restaurant Vulkan Waldfrieden, Wassenach
- Klostergaststätte Maria Laach
- Restaurant „Tausend93“ im Seehotel Maria Laach
Headerbild: Winterliche Laacher See (Copyright: Vulkanregion Laacher See/Baumann Fotografie)