Unser Wandertipp für den Frühling: Auf den Spuren der Römer durch den Hunsrück

Wandern Sie auf den Spuren des römischen Dichters Ausonius auf einer alten Römerstraße und besuchen Sie eine keltische-römische Siedlungsstätte. Zwei Tage mitten durch schönste Hunsrück-Landschaft... Diese Tour können Sie auch gut mit Kindern unternehmen.

Der Hunsrück ist ein Mittelgebirge in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland. Im Nordwesten wird er von der Mosel und im Osten vom Rhein begrenzt. Seine höchste Erhebung ist der Erbeskopf (816 m hoch), der gleichzeitig auch der höchste Berg in Rheinland-Pfalz ist. Im Südwesten des Hunsrück finden Sie den noch recht jungen Nationalpark Hunsrück-Hochwald, in dem seltene Tier- und Pflanzenarten ideale Lebensbedingungen finden, wie zum Beispiel der Schwarzstorch, der Schwarzspecht und die Wildkatze. Das Bundesamt für Naturschutz zählt den Hunsrück nicht umsonst zu den Hotspot-Regionen für biologische Vielfalt!

Dass bereits in römischer Zeit eine wichtige römische Straße über den Hunsrück führte, zeigt nicht nur die berühmte Peutingersche Tafel, eine kartografische Darstellung des römische Straßennetz in spätrömischer Zeit. Der römische Dichter, Gelehrte und Prinzenerzieher Ausonius setzte dem Hunsrück sogar ein frühes literarisches Denkmal. In seiner 368/69 n. Chr. entstandenen „Mosella“ beschreibt er eine Reise von Bingen über den Hunsrück bis an die Mosel, und diese Reisebeschreibung gilt bis heute als die älteste Reisebeschreibung einer deutschen Landschaft überhaupt. Ausonius‘ Spuren auf der alten Römerstraße von Bingen nach Trier folgt der Ausonius-Wanderweg. Die knapp 123 km lange Streckenwanderung lässt sich mit 6 Tagesetappen bewältigen und ist ein ganz besonderes Erlebnis für alle Römerfans!

Aber vielleicht ist ihnen eine solche Mehrtageswanderung zu lang? Dann nutzen Sie die folgende Tour, um den „römischen“ Hunsrück kennen zu lernen. Sie lässt sich an nur einem Wochenende und von einem Standort aus unternehmen. Wandern Sie am ersten Tag auf einem besonders schönen und abwechslungsreichen Abschnitt des Ausonius-Wanderwegs und am zweiten Tag auf einem zertifizierten Premium-Rundwanderweg des Saar-Hunsrück-Steiges. Anschließend besichtigen Sie das Kulturzentrum Belginum. Die keltisch-römischen Siedlung Belginum ist sowohl in der Peutinger-Tafel verzeichnet als auch in der „Mosella“ des Ausonius beschrieben. Im Kulturzentrum mit Museum sehen Sie spannende Zeugnisse dieser uralten Siedlungsstätte.

Tipp: Mit Augemented Reality können Sie Bauwerke aus der Römerzeit wieder auferstehen lassen. Laden Sie sich vor Reiseantritt die kostenfreie ARGO-App im App-Store herunter. Über diese Website erhalten Sie weitere Infos.

Übrigens: Dieser Wochenend-Trip lässt sich auch sehr gut mit Kinder unternehmen, da es viel zu sehen und zu erleben gibt!

Als Übernachtungsquartier empfehlen wir Ihnen ein Hotel oder eine Pension in Sohren, damit Sie für die erste Tour kein Auto brauchen. Wie wäre es beispielsweise mit dem Ferienbauernhof Gretenhof? Am besten informieren Sie sich über die Hunsrück-Touristik GmbH, deren Buchungsteam über hervorragende Ortskenntnisse verfügt und Sie sehr gut beraten kann. Oder buchen Sie über die Website der Hunsrück-Touristik GmbH einfach online.

 

(Foto: Hunsrück-Touristik GmbH, Hans-Werner Johann)

Samstag: Übernachtung in Sohren und Wanderung auf dem Ausoniusweg auf einer Streckenlänge von 13 km

Zwischen Kirchberg und Sohren ist die Wanderung aus dem Ausoniusweg besonders reizvoll, zum einen natürlich im Hinblick auf die Landschaft, zum anderen gibt es verschiedene „römische“ Highlights an der Strecke: den Bissulapfad, die Ausoniushütte mit römischen Spielen (wie Rundmühle, Nüssekullern und Delta-Spiel), und die Rekonstruktion eines Straßenturmes mit Wehrgang sowie ein Stück freigelegte antike Originalstraße aus dem 1. Jahrhundert und ein rekonstuiertes Straßenstück.

Da es sich um eine Streckenwanderung und nicht um einen Rundwanderweg handelt, kommen Sie am Ende der Tour leider nicht wieder am Startpunkt heraus. Das ist aber kein Problem, so lange es ÖPNV gibt! Sie können auf kurzer Strecke mit dem Bus von Sohren nach Kirchberg fahren. Nehmen Sie an der Haltestelle Sohren (Am Denkmal) den Bus in Richtung Simmern und fahren Sie bis Kirchberg – Haltestelle: Kappeler Straße. Die Fahrtzeit beträgt ca. 15 Minuten. Von dort spazieren Sie zu Fuß zum Marktplatz in Kirchberg. Unterwegs können Sie sich beim Bäcker mit belegten Brötchen und Getränken auszustatten oder auch ausgiebig zu frühstücken. Über diesen Link finden Sie einen aktuellen Busfahrplan.

Kirchberg besitzt seit 1259 Stadtrechte und ist damit die älteste Stadt des Hunsrücks. Der Ort spielte aber schon viel früher eine wichtige Rolle in der Region: an einer Kreuzung der römischen Fernstraße von Trier zum Rhein mit weiteren alten Verbindungen befand sich vom 1. bis 4. Jahrhundert die Straßensiedlung (Vicus) Dumnissus. Auch wenn hier heute von dem Vicus nichts mehr zu sehen ist, der römische Dichter Ausonius verewigte den Ort, der auch in römischen Straßenkarten verzeichnet ist, in seiner „Mosella“.

Die heutige Hauptstraße, der Markt und die Simmerner Straße liegen genau auf der römischen Trasse. Wie in römischen Straßensiedlungen üblich, war die Straße gesäumt mit zahlreichen sogenannten Streifenhäusern, die etwa 30 bis 40 Meter lang waren. Zur Straße, in der 10 Meter breiten Front, lagen Läden oder Werkstätten. Dahinter befanden sich Wohnraum und weiter rückwärtig Schuppen, Hof und Brunnen. Ein Friedhof lag östlich der Siedlung an der Straße. Im Laufe der Zeit stieß man hier immer wieder auf steinerne Zeugen des Siedlungslebens, etwa Keramik und Münzen. Zwei Steinsärge aus dem 2. Jahrhundert, die an der Simmerner Straße gefunden wurden, sind im Hunsrück-Museum Simmern ausgestellt. Zur Erinnerung an die römische Fernstraße wurde am Westausgang der Stadt die Nachbildung eines römischen Leugensteines aufgestellt.

Diese Rekonstruktion eines römischen Straßenzuges können Sie mittels ARGO-App als Augemented Reality vor Ort in der Hauptstraße sehen (Koordinaten: 49,943726°N, 7,410101°E).

Augmented Reality des Vicus Kirchberg (ARGO - Augmented Archaeology (Universität Trier))
Augmented Reality des Vicus Kirchberg (ARGO – Augmented Archaeology (Universität Trier))

 

Kirchberg ist heute reich an schönem historischem Baubestand, daher sehen Sie sich unbedingt den Markplatz, die Katholische Pfarrkirche St. Michael und den Kirchplatz an. Der rechteckige Marktplatz wird von Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert umschlossen. Das Ensemble gilt als bedeutendes Beispiel barocker Platzgestaltung im ländlichen Raum. Die St. Michael ist eine spätgotische Hallenkirche aus dem 15. Jh. Bei Grabungen wurden allerdings noch ältere Vorgängerbauten entdeckt, so dass St. Michael wohl die historisch wichtigste und wahrscheinlich auch älteste Pfarrkirche des Hunsrücks ist. Bereits im 8. Jh. befand an dieser Stelle ein frühkarolingischer Saalbau.

Ab dem Marktplatz in Kirchberg startet die Wanderung auf dem Ausoniusweg zurück nach Sohren. Die Strecke ist mit weißem AU auf grünem Grund markiert.
Kilometer: ca. 13 km; Dauer: ca. 5 Std.

Am Ortsausgang von Kirchberg geht es vorbei an einem rekonstruiertem Leugenstein. Eine Leuge ist ein altes gallisches Längenmaß, das 202 n. Chr. offiziell in den nördlichen Provinzen eingeführt wurde. Es entspricht einer Länge von 2,22 km. Das erste Wegstück Ihres Wanderweges wird von zahlreichen Informationstafeln begleitet. Bei Liederbach erreichen Sie den Bissulapfad, benannt nach der Geliebten von Ausonius. Hinter der Ortschaft Liederbach beginnt ein etwa 10 km langes schnurgerades Teilstück der Original-Römertrasse. Sie gelangen zur „Ausoniushütte“ mit einem römischen Spielplatz und kurz darauf zum Nachbau eines römischen Wachtturmes bei Dill, auf den Sie hinaufsteigen und das Panorama genießen können. Der Weg führt Sie weiter an der Schutzhütte „Augustushütte“ vorbei und über Felder und Wiesen zwischen Sohren und Laufersweiler. Dort wechseln Sie auf die ausgeschilderte Römerrunde, einen Rundweg rund um den Ort Sohren, und wandern hinein in den Ort zum Ausgangspunkt Ihrer Wanderung.

Den Streckenverlauf und einer digitale Wanderkarte finden Sie im Tourenplaner Rheinland-Pfalz.

 

Bei Morbach (Foto: Hunsrück-Touristik GmbH, Phormat)
Am Archäologiepark Belginum (Foto: Hunsrück-Touristik GmbH, Phormat)

Sonntag: Wandern auf dem Premium-Rundwanderweg LandZeitTour (8 km) und Besichtigung des Kulturzentrums und Archäologieparks Belginum

Nach einem ausgiebigen Frühstück geht Ihr Wander-Römer-Wochenende im Hunsrück mit einer Wanderung auf der Traumschleife LandZeitTour bei Morbach und einem Abstecher zum Kulturzentrum Belginum weiter. Der zertifizierte Premium-Wanderweg LandZeitTour belegte bei der Wahl zu „Deutschlands schönstem Wanderweg 2017“ in der Kategorie „Touren“ den 2. Platz.

Die Wegeführung, die teilweise über Fuß- und Bohlenwege sowie Holzstege führt, vermittelt ein hohes Maß an Landschaftserleben. An derzeit 14 Stationen werden über Schautafeln und Ringbücher wichtige Etappen der Landschaftsgeschichte von der Römerzeit über das Mittelalter zur Zeit des Kurfürsten Balduin von Luxemburg bis hin zur Gegenwart skizziert. Schwerpunkt ist dabei die Entwicklung ökologisch wertvoller Biotope durch die bäuerliche Landwirtschaft und deren Sicherung für die Zukunft. Die Tour ist gleichzeitig als Zeitreise zu verstehen. Ein Alleinstellungsmerkmal bieten die lebensgroßen Figuren entlang des Themenweges, die von Künstlern aus Hinzerath entworfen und modelliert wurden und wichtige Tätigkeiten bestimmter Berufsgruppen für die Landschaftsentwicklung symbolisieren.

Wanderung auf der Traumschleife LandZeitTour
Kilometer: ca. 8 km, Dauer: ca. 3 Std.

Anreise: Mit dem Auto fahren Sie über die B50 von Sohren bis zur Wasserburgruine Baldenau bei Morbach-Hundheim und parken dort auf dem Parkplatz (Fahrtzeit: ca. 20 Minuten).

Startpunkt der Tour ist am Eingangstor der Ruine Burg Baldenau, der einzigen Wasserburg im Hunsrück. Von dort wandern Sie über Feuchtwiesen entlang der Quellbäche der Dhron, überqueren die Kreisstraße und steigen über hügeliges Gelände auf zur Hundheimer Quellmulde. Über weitere Feldwege, vorbei an Infotafeln streifen Sie den Ortsrand von Hinzerath und gehen über freie Feldflächen. Geradeaus erblicken Sie den Stumpfen Turm von Hinzerath, einen ehemaligen Signalturm der Burgruine Baldenau. Dort gegenüber auf der anderen Straßenseite befindet sich das Kulturzentrum Belginum. Sie biegen aber erstmal ab und wandert auf den Waldrand zu. Hier in der Nähe der römischen Fernstraße wird diese Zeit an einer Schautafel dargestellt. Weiter geht es durch einen abenteuerlichen Wald und vorbei an Feuchtwiesen wieder zurück zur Ortsmitte von Hinzerath.

Sie wandern aus dem Ort heraus und nach kleinem Anstieg geradeaus über Wiesen und Felder. Kurz nach Eintauchen in den Wald steigen Sie zu einem kleinen Bachlauf hinab und sehen die Ruine einer ehemaligen Mühle. Der Pfad führt weiter durch den Wald hinauf auf eine weitere Wiesenfläche. Hier durchqueren Sie auf einem sich stetig schlängenden Pfädchen das Areal des EU Life Projektes „Arnikawiesen“. Anschließend führt die Wanderung weiter zum ökologisch wertvollen Biotop der Arnikaschleife mit Infotafeln zu Flora, Fauna und Kreislauf des Lebens. Über Stege geht es durch das Quellmoor zurück zur Burg Baldenau.

Eine Karte und detaillierte Routenbeschreibung finden Sie über diesen Link.

 

Café Heimat in Morbach (Foto: Dominik Ketz/ Hunsrück-Touristik GmbH)
Café Heimat in Morbach (Foto: Dominik Ketz/ Hunsrück-Touristik GmbH)
Café Heimat in Morbach (Foto: Dominik Ketz/ Hunsrück-Touristik GmbH)
Café Heimat in Morbach (Foto: Dominik Ketz/ Hunsrück-Touristik GmbH)

 

Wenn Sie nach der Wanderung eine Stärkung brauchen: Gehen Sie unbedingt in das originelle „Café Heimat“  in Morbach, Biergasse 5. Sie erreichen es von der Burguine Baldenau aus über die K124 und B327 in knapp 10 Minuten.

Das Café befindet sich im Elternhaus von Edgar Reitz, dem Regisseur der bekannten und viel gelobten 11-teiligen Filmreihe „Heimat“, die sich um die Entwicklung des Hunsrück-Dorfes Schabbach und seiner Bewohner zwischen den Jahren 1919 und 1982 dreht. Daher auch der Name des Cafés „Heimat“. Neben selbst geröstetem Kaffee, selbstgemachter Trinkschokolade und anderen Leckereien gibt es eine Ausstellung mit Originalrequisiten und Kostümen aus dem Heimatfilm „Die andere Heimat“ (Eintritt frei) und ein kleines Kino. Zu sehen sind dort Filme von Edgar Reitz, Kinderfilme, international Kurzfilme, Dokumentationen, sozialkritische Filme und Filme mit gesellschaftlicher Relevanz.

 

Archäologiepark Belginum:

Schließlich erwartet Sie im Kreuzungsbereich von B 327 und B 50 an der Hunsrückhöhenstraße ein einzigartiges archäologisches Ensemble: der Archäologiepark Belginum mit keltisch-römischem Gräberfeld von Wederath „Hochgerichtsheide“ sowie der römerzeitlichen Siedlung Belginum mit mehreren Tempelbezirken und einem frührömischen Lager. In dem an historischer Stätte erbauten Museum werden die Ergebnisse jahrzehntelanger archäologischer Ausgrabungen präsentiert.

Im Außengelände von Belginum erwartet Sie wieder Augmented Reality. Mithilfe der ARGO-App können Sie vor Ort ein Grabmal und einen Umgangstempel sehen.

 

Augmented Reality eines Umgangstempels in Belginum (ARGO – Augmented Archaeology (Universität Trier))
Augmented Reality eines Umgangstempels in Belginum (ARGO – Augmented Archaeology (Universität Trier))
Augmented Reality eines Grabdenkmals in Belginum (ARGO – Augmented Archaeology (Universität Trier))
Augmented Reality eines Grabdenkmals in Belginum (ARGO – Augmented Archaeology (Universität Trier))längeren Halt

 

Das Leitmotiv der Ausstellungskonzeption ist die tausendjährige Geschichte auf der Hochfläche von Belginum. Hauptmotiv für die Gestaltung der Ausstellung ist die Straße, verbunden mit dem Blick in das wenige hundert Meter von der Siedlung entfernte Gräberfeld. In römischer Zeit führte die Fernstraße Trier – Mainz mitten durch den Vicus und das Gräberfeld. Unter dem Thema „Leben an einer Fernstraße“ entdeckt der Besucher, was an und unter der Straße lag. Die Zusammenstellung von Befunden, Funden, Illustrationen, Zitaten und Texten veranschaulicht die Arbeit der Archäologen: Das Deuten der Befunde und Funde und das Einordnen in historische Zusammenhänge. Und auch der Betrachter hat aufgrund des Systems von „finden und deuten“ die Möglichkeit, Geschichte zu entdecken und zu kombinieren. Mit der Präsentation ausgewählter Gräber wird „Ein-Blick“ in das Leben in keltischer und römischer Zeit gewährt.

 

Extra-Tipp: Burg Kastellaun

Wenn Sie auf der Hunsrückhöhenstraße aus Richtung Rhein-Main-Gebiet oder Koblenz kommen (über die A61), lohnt es sich auf der Anreise einen Zwischenstopp in der Burgstadt Kastellaun zu machen. Schiefer, Bruchstein und Fachwerk prägen die historische Altstadt und mitten drin thront die mittelalterliche Burgruine. In der Unterburg finden Sie ein Museum mit Originalfunden aus der Region, aufwendigen Rekonstruktionen und informativer wie unterhaltsamer Multimedia. Kinder können sich als Burgfräulein oder Ritter kostümieren und in einem eigenen Bereich malen, lesen und spielen.

Tipp: Auch die Burg Kastellaun wird mit Augmented Reality der kostenlosen ARGO-App zu neuem Leben erweckt.

 

Rekonstruktion der Burg Kastellaun (ARGO – Augmented Archaeology (Universität Trier))
Rekonstruktion der Burg Kastellaun (ARGO – Augmented Archaeology (Universität Trier))