Konstantinische Deckenmalerei und das frühchristliche Erbe in Trier

    Dame mit Schmuck, Museum am Dom Trier (Foto: Rudolf Schneider)
    Dame mit Spiegel, Museum am Dom Trier (Foto: Rudolf Schneider)
    Erotenpaar, Museum am Dom Trier (Foto: Rudolf Schneider)

Besuchen Sie den Dom und die Ausgrabungen unter der Dom-Information in Trier. Außerdem wartet im Museum am Dom ein einzigartiges Denkmal spätantiker Kunst auf Sie!

Dom und Domgrabung unter der Dom-Information

Der Trierer Dom St. Peter ist nicht nur die älteste christliche Kirche Deutschlands, sondern er dient auch seit seinen Anfängen im 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ununterbrochen als Bischofskirche. Kein Wunder also, dass er zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt!

Vor ca. 1.700 Jahren erstreckte sich eine riesige Doppelkirchenanlage vom heutigen Dombereich bis zum Hauptmarkt. Ihre Reste der Grundmauern sind heute noch unter dem Dom, der Liebfrauenkirche und der Dom-Information zu sehen.
Unter der Dom-Information finden Sie eine erste Keimzelle dieser eindrucksvollen Kirchenanlage: der erste Versammlungsraum einer christlichen Gemeinde, der nördlich der Alpen entdeckt wurde. Er wurde umgestaltet und entwickelte sich zur größten Kirchenanlage der Spätantike, aus der der heutige Dom hervor ging.

Diese Ausgrabung ist nur unter im Rahmen einer Führung möglich. Tickets können Sie online bei Ticket regional buchen.

Wenn Sie auch an einer Führung durch den Dom teilnehmen wollen, wenden Sie sich am besten an die Dom-Information. Kontakt siehe rechts.

Ausgrabungen unter der Dom-Information in Trier (Foto: Dom-Information Trier/Rita Heyen)
Ausgrabungen unter der Dom-Information in Trier (Foto: Dom-Information Trier/Rita Heyen)

 

Die UNESCO zählt den Trierer Dom zu den Kulturschätzen der Menschheit. Das Museum am Dom informiert Sie über seine Baugeschichte und zeigt Ihnen  Schätze aus ca. 1700 Jahren Bistumsgeschichte. Besonders bemerkenswert sind die kostbaren Deckenmalereien, die einst einen Wohnpalast zierten, bis dieser dem frühchristlichen Dom weichen musste. Ein einzigartiges Denkmal spätantiker Kunst und ein gigantisches Puzzle für Restauratoren!

 

Konstantinische Deckenmalerei: Im Museum am Dom wartet ein einzigartiges Denkmal spätantiker Kunst auf Sie.

Ein Beitrag von Anna Hoppe.

Die unter dem Trierer Dom aufgefundenen Deckenmalereien, die heute im Museum am Dom in Trier zu sehen sind, wurden in über drei Metern Tiefe geborgen und in über zehnjähriger Puzzlearbeit aus mehr als 30.000 Fragmenten wieder zusammengesetzt. Sie stammen aus einem reich ausgestatteten Wohnpalast, der etwa ab dem Jahr 335 n.Chr. im Zuge des Ausbaus der großen frühchristlichen Kirchenanlage niedergelegt wurde.

 

Dom und Liebfrauenkirche (Foto: Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH/Dominik Ketz)
Dom und Liebfrauenkirche (Foto: Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH/Dominik Ketz)

 

1945/46 wurden durch den Archäologen Dr. Theodor K. Kempf bei Grabungen inmitten des Domes, etwa 3,50 m unterhalb des heutigen Kirchenbodens, Bruchstücke der antiken Putzdecke eines rechteckigen Raumes, der Teil einer ausgedehnten Wohnanlage war, gefunden.

Bereits frühere archäologische Untersuchungen durch den Domkapitular Johann Nikolaus von Wilmowsky im Jahr 1843 und den Museumsdirektor Johann Wiegand im Jahr 1906 hatten bemalte Putzstücke zu Tage gefördert. Das Ausmaß der Entdeckung erkannte jedoch erst Theodor K. Kempf. Er barg die in vielen tausend Bruchstücken liegende Decke und begann zusammen mit dem damaligen Restaurator P. Welter den Versuch der Zusammensetzung.

1951 konnten die ersten 6 Bilder der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Kempf hatte während der ersten Grabungsperiode lediglich die nördliche Hälfte des spätantiken Raumes untersucht, weswegen die eigentliche Dimension des Zimmers und damit auch die Zahl der Deckenbilder unbekannt waren. Erst 1967/68 wurde die südliche Hälfte freigelegt und damit auch die hier verborgenen Malereireste zugänglich.

Seit 1988 werden die Deckenmalereien im Museum am Dom Trier in einem eigenen Raum präsentiert.

Aus konservatorischen Gründen ist die Deckenmalerei an den Wandflächen und nicht an der Decke fixiert. 1993 wurde die Zusammensetzung und Konservierung der sogenannten „Schrägbänder“ abgeschlossen, die zusammen mit einer Rekonstruktion des Deckenunterbaues ebenfalls im Museum gezeigt werden.

 

Rekonstruktion eines spätantiken Raumes, Museum am Dom Trier (Foto: Rudolf Schneider)
Rekonstruktion eines spätantiken Raumes, Museum am Dom Trier (Foto: Rudolf Schneider)

Aber was veranschaulicht die Deckenmalerei? In schachbrettartigem Wechsel sind sieben fliegende Erotenpaare, Eros und Psyche sowie sieben lebensgroße Brustbilder (drei Philosophen oder Dichter und vier Frauenbüsten) dargestellt. Das Frauenbildnis in der Mitte nimmt eine Sonderstellung ein und wird als Darstellung mit Porträtzügen gedeutet. Es dürfte sich um Maxima Fausta handeln, die seit 307 n. Chr. die Gattin Kaiser Konstantins war und im Jahre 326 n. Chr. wegen Ehebruchs getötet wurde. Gründe für diese Zuschreibung sind u.a. die Position des Bildes an der Decke sowie die zeitgenössische Frisur der Dargestellten. Die Maxima Fausta begleitenden Personifikationen und Darstellungen verdeutlichen Wohlergehen, Bildung und Reichtum als Ausdruck des am kaiserlichen Hof propagierten glücklichen Zeitalters („felicitas temporum“).

Die Bilder der Trierer Decke zeigen eine Qualität, die weit über das hinausgeht, was sonst an spätantiker Malerei in den Provinzen erhalten ist. Durch den geschlossenen Fundkomplex sind sie ein bedeutendes Objekt spätantiker Kunst, dem nur wenige Denkmäler an die Seite gestellt werden können.

[Literatur: Weber, Winfried: Constantinische Deckengemälde aus dem römischen Palast unter dem Dom, 4. Auflage, 2000.]

 

Dame mit Spiegel, Museum am Dom Trier (Foto: Rudolf Schneider)
Dame mit Spiegel, Museum am Dom Trier (Foto: Rudolf Schneider)
Erotenpaar, Museum am Dom Trier (Foto: Rudolf Schneider)
Erotenpaar, Museum am Dom Trier (Foto: Rudolf Schneider)
Konstantinische Deckenmalerei gesamt, Museum am Dom Trier (Foto: Rudolf Schneider)
Konstantinische Deckenmalerei gesamt, Museum am Dom Trier (Foto: Rudolf Schneider)